Wer in den vergangenem Jahr nur ein wenig auf Social Media unterwegs gewesen ist, wird an einem Thema nicht vorbei gekommen sein: Toxische Beziehungen. Leider wird den Betroffenen immer wieder vorgeworfen, dass sie ihre Geschichte nur für Klicks und Likes mit ihren Followern online teilen würden. Eine fatale Fehleinschätzung.  

Ein Kommentar von Sophia Falkowski

Immer mehr Menschen trauen sich endlich an die Öffentlichkeit und erzählen in den sozialen Netzwerken von ihren traumatischen Erfahrungen aus ihren Beziehungen. Nur um dann vorgeworfen zu bekommen, dass sie dies nur tun, um Teil eines Trends zu sein. Eine Beziehung ist toxisch, sobald einer der Partner wiederholt Dinge tut, die dem anderen verletzen. Egal ob es sich dabei um physische oder psychische Gewalt handelt. Es kostet viel Überwindung, sich öffentlich zu so einem intimen Thema zu äußern, was die Vorwürfe nur noch dreister macht. Oftmals brauchten die Opfer einer toxischen Beziehung sehr lange, um über ihre Beziehung zu reden, da das Erlebte mit viel Scham verbunden ist.

Es geht nicht darum, seine Beziehung öffentlich auszuschlachten, sondern viel mehr darum, auf eine soziale Problematik aufmerksam zu machen und anderen Betroffenen helfen zu können. Es ist gut, dass wir gesellschaftlich an einem Punkt angelangt sind, an dem wir bereit sind, Beziehungen zu hinterfragen und toxisches Verhalten nicht mehr klein zu reden und zu tolerieren. Denn toxische Beziehungen gab es schon immer. Nur passt die öffentliche Diskussion erst jetzt zum Zahn der Zeit.

Früher war eben nicht alles besser

Der Vorwurf, dass die heutige Generation beziehungsunfähig sei, ist absurd. Zwar haben Oma und Opa ihre Beziehung noch repariert anstelle sie weg zu werfen, was sich in manchen Fällen auch zweifelslos gelohnt hat. Doch sollte auch anerkannt werden, dass die Großeltern das bestimmt nicht nur aus rein romantischen Gefühlen getan haben. Sondern sicherlich auch, weil sie keine andere Wahl hatten. In der Beziehung zu bleiben, war das kleinere Übel, verglichen mit der öffentlichen Demütigung einer Scheidung. Die finanzielle Abhängigkeit der Ehefrauen gegenüber ihren Männern hat sicherlich auch eine Rolle bei der Entscheidung über eine Trennung gespielt. Wir sollten daher froh sein, dass die heutige Generation so wählerisch bei ihrer Partnerwahl ist. Und eine schlechte Beziehung aufgibt, anstelle sich an dieser festzuklammern.  

Ist meine Beziehung toxisch?

Doch wie zeigt sich nun eine toxische Beziehung? Wer sich für tiefergehende Hintergrundinformationen interessiert, sollte in den Podcast „Brich und Sprich – Schluss damit! Wenn Beziehungen toxisch werden“ der Westfälischen Hochschule auf Spotify reinhören. In diesem klären die Studierenden Laura Borowski und Hannah Kempken  über alle wichtige Fragen rund um toxische Beziehungen auf.

https://open.spotify.com/episode/7FOuvhuahz2L5ozP8qrbzZ?si=1fb0aa2f3dd94f23