Bildunterschrift: Der diesjährige Import von Feuerwerkskörpern übertrifft alle bisherigen Zahlen. Foto: adobe firefly
Der Import von Feuerwerkskörpern schießt in die Höhe. Doch auch die Sorgen um Umwelt, Sicherheit und Verantwortung wachsen.
Ein Bericht von Aaliyah Wiesner
Hohes Risiko beim Abfeuern
Die 20-jährige Anna-Lena Dieckmann aus Mühlhausen erlebte im Alter von 14 ein traumatisches Erlebnis. Ihr Vater zündete damals vor der Haustür eine Rakete. Anna-Lena stand in der Nähe. „Die Flasche ist umgekippt und die Rakete ist in meine Richtung geflogen und direkt an meinen Beinen hochgegangen. Es war extrem laut und ich habe mich total erschrocken. Seitdem mag ich Silvester nicht mehr.“ Sie lehnt Feuerwerk ab, da Menschen und Tiere verletzt werden und die Umwelt belastet wird. „Ich finde, dass wir mittlerweile in einer so modernen Gesellschaft leben, dass wir imstande sein sollten, Silvester auch ohne giftige, gefährliche und laute Stoffe zu feiern.“ Die erneute Höchstzahl an importierten Feuerwerkskörpern findet sie beunruhigend.
Die aktuellen Zahlen
Von Januar bis September wurden rund 42.000 Tonnen Feuerwerksartikel fast ausschließlich aus China importiert. Es handelt sich laut dem Statistischen Bundesamt um einen Anstieg von mehr als 62,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Wegen der Corona-Pandemie galt in der Silvesternacht 2020/2021 ein bundesweites Verkaufsverbot. Seitdem steigt die Nachfrage nach Böllern sowie die Diskussion über ein Verbot.
Freunde am Feuern
Eine andere Meinung hat der 19-jährige Elias Bohne aus Unna. „Ich zünde Feuerwerk gerne, es macht Spaß. Die Leute, die sich beim Feuerwerkzünden verletzen, sind selbst schuld, wenn sie es nicht richtig zünden oder werfen.“ Er ist für strengere Regeln, bezweifelt aber deren Wirkung. „Einschraennkungen und Regeln wären gut, wenn man damit kontrollieren könnte, dass Leute mit dem Feuerwerk richtig umgehen.“ Für viele Deutsche gehört das Abschießen von Feuerwerkskörpern zu Silvester dazu.
Gefahr für Menschen und Einsatzkräfte
Bernd Tepe, ehemaliger Jugendfeuerwehrwart der Freiwilligen Feuerwehr Unna-Massen, berichtet, dass es in der Silvesternacht zu vielen Einsätzen kommt, die mit Heckenbränden in Verbindung stehen. Einige Einsatzkräfte verbringen Silvester gemeinsam mit ihren Familien auf der Wache und zünden dort im privaten Rahmen Raketen. Statt noch mehr Feuerwerk fordert er: „Das private Abfeuern von Feuerwerk sollte weiter reduziert werden. Besser wäre es, wenn stattdessen mehr staatlich durchgeführte Feuerwerksshows angeboten werden. So könnte man für mehr Sicherheit sorgen.“
Mit mehr Feuerwerk steigt auch die Verantwortung und das Verletzungsrisiko. Es kommt zu gefährlichen Situationen. Fünf Menschen kamen zum Jahreswechsel 2024/2025 ums Leben. Zahlreiche weitere wurden verletzt. Laut des DRK sind die häufigsten Verletzungen leichte Verbrennungen, Handverletzungen und Augenverletzungen sowie abgerissene Finger.

In vielen Großstädten kam es zum Jahreswechsel 2024/2025 zu gefährlichen Situationen. Foto:
Die Zukunft des Silvesterfeuerwerks
Viele Städte richten Böllerverbotszonen ein, in denen das private Feuern von Böllern untersagt ist. In den Künftig sollen organisierte Feuwerwerke, Licht- und Drohnenshows für Ersatz sorgen. In Deutschland wird erwartet, dass Feuerwerk vorerst weiter erlaubt bleibt. Die politische Debatte über strengere Regeln wird im nächsten Jahr weitergehen.


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