Bildunterschrift: Dareen Ahmad arbeitet seit einem Jahr in einem Zentrum für Plasmaspenden in Gelsenkirchen. Foto: Maria Salem
Früher rettete sie Zähne, heute hilft sie dabei, Leben zu retten. Dareen Ahmad hat den Bohrer gegen die Nadel getauscht. In einem Spendezentrum für Plasma in Gelsenkirchen sorgt sie dafür, dass aus einer einfachen Spende lebenswichtige Medizin wird. Sie arbeitet ruhig und bedacht in einem Job, der Präzision und Empathie erfordert.
Eine Reportage von Maria Salem
Schon beim Betreten des Spendezentrums liegt er in der Luft: der scharfe, saubere Geruch von Desinfektionsmittel. Er kriecht in die Nase, bleibt hängen, signalisiert sofort, worum es hier geht. Medizin, Hygiene, Sicherheit. Am Empfang herrscht geschäftiges, aber ruhiges Treiben. Leise Stimmen und lautlose Schritte füllen den Raum.

Eine Plasmaspende dauert insgesamt etwa eine Stunde. Foto: Maria Salem
Dareen Ahmad trägt die typische Arbeitskleidung des Teams: ein rotes Oberteil, weiße Hose und weiße Arbeitsschuhe. Sie steht im Spenderraum, dem Ort, an dem das Plasma tatsächlich entnommen wird. „Heute ist nicht so viel los, freitags ist es hier voller“, berichtet sie.
Neben ihr steht ihr wichtigstes Werkzeug-Tableau: der Punktionswagen. Es ist ein Stillleben medizinischer Notwendigkeit. Stapel kleiner, rechteckiger weißer Tücher, Pflaster, Rollen durchsichtiges Klebeband und die allgegenwärtigen Flaschen mit Desinfektionsmittel. Jeder Gegenstand hat seinen Platz – griffbereit für den Moment, in dem der Spender punktiert wird.
Von der Zahnarztpraxis an die Zentrifuge
Dareen Ahmads Weg in die Welt der Plasmaspenden war nicht vorgezeichnet. Ursprünglich ist sie gelernte Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) und arbeitete zweieinhalb Jahre in einer Praxis.
„Bevor ich mich hier beworben habe, wusste ich eigentlich gar nichts über diesen Bereich. Ich hatte vorher auch noch nie punktiert“, gibt sie offen zu. Seit Februar 2025 ist sie nun Teil des Teams. Trotz ihrer medizinischen Vorbildung war die Einarbeitung intensiv.
Heute bedient sie die sogenannten „Plasmapherese-Maschinen“ mit einer Sicherheit, als hätte sie nie etwas anderes getan. Während sie neben der Liege steht und einen Knopf nach dem anderen überprüft, beginnt die Maschine leise zu brummen. „Diese Maschinen sind ein essentieller Bestandteil der Spende, denn nur dadurch ist eine Spende möglich.“
Im Takt der Sensoren
Besonders faszinierend ist die Technik: In den Geräten dreht sich eine gläserne „Glocke“ mit 7.500 Umdrehungen pro Minute. „Diese Glocke trennt das Plasma vom restlichen Blut ab“, erzählt Dareen.

In dieser „Glocke“ wird das Plasma von den anderen Blutbestandteilen getrennt. Foto: Maria Salem
Während das wertvolle, gelblich schimmernde Plasma in Behältern aufgefangen wird, fließt das Blut zurück in den Kreislauf des Spenders. Dieser Vorgang wiederholt sich je nach Spende etwa viermal, bis die vollständige Menge an Plasma gewonnen ist.
„Die Sensoren überwachen ständig den Blut- und Luftfluss, und ein Druckmonitor prüft penibel, ob der Druck in der Vene des Spenders stabil bleibt“, erklärt die 22-Jährige. Auch die Vorbereitung ist minutiös getaktet. Bevor die Punktion erfolgt, laufen zwei Timer auf dem Bildschirm ab. Einer für 10 Sekunden, einer für 30 Sekunden. Erst dann dürfe die Nadel gesetzt werden. Sie achtet dabei auf jedes Detail: vom Scannen des Spendeausweises bis hin zur richtigen Punktion der Vene.
Hilfe für die Schwächsten
Warum der ganze Aufwand? Das gewonnene Plasma ist die Basis für Medikamente, die oft die letzte Rettung sind. „Wir stellen hier die Grundlage für Medikamente her, die Verbrennungsopfern oder Menschen mit einer Immunschwäche helfen“, erklärt die Centermitarbeiterin.

Das Plasma wird nach der Spende auf Krankheiten getestet. Foto: Maria Salem
Das Plasma wird nach der Spende bei eisigen -30 bis -35 Grad Celsius eingefroren. Maximal zwei Stunden haben Dareen Ahmad und ihr Team Zeit, bis die Flaschen im Kälteschlaf liegen müssen.

Das gespendete Plasma muss vor Ort kühl gehalten werden. Foto: Maria Salem
Doch es geht nicht nur um Technik. Sie achtet auch darauf, dass die Spender nicht die Beine überkreuzen, genug Ruhe haben und sich an die Regeln halten. Essen ist während der Spende ausdrücklich verboten, um Verschluckungsunfälle zu vermeiden. Trinken hingegen ist seit kurzem erlaubt.
Wie die Spendersicherheit überprüft wird
Die Centerärztin Mara Stockhausen erklärt, was bei der ärztlichen Untersuchung überprüft wird. Diese findet immer vor der ersten Spende und danach regelmäßig, etwa alle 15 Spenden, statt.

Vor jeder Spende wird per Fragebogen geprüft, ob die Person spendetauglich ist. Foto: Maria Salem
„Zunächst schauen wir in die Augen, dann in den Mund, um mögliche Rötungen oder Entzündungen zu erkennen. Anschließend tasten wir die Lymphknoten ab und untersuchen Bauch, Herz und Lunge. Auch die Nierenfunktion wird kontrolliert“, sagt sie.
Zwischen Arbeit und Freizeit
Wenn Dareen Ahmad nicht gerade Leben rettet, zieht es sie in die Ferne. Ihre Augen leuchten, wenn sie von ihren Reisen nach Prag, Portugal, Italien oder in die Schweiz erzählt. Es ist der Ausgleich zu einem Job, der volle Konzentration fordert.
Oft, so Dareen, verbringt sie gerne ihre Freizeit mit ihrer Cousine. „Wenn ich nicht am Arbeiten bin, dann bin ich meistens mit meiner Cousine unterwegs. Wir reisen auch sehr gerne zusammen und besuchen uns gegenseitig regelmäßig.“

Bei jeder 5. Spende wird Blut abgenommen, um die Blutwerte zu testen. Foto: Maria Salem
Zurück im Spendezentrum verabschiedet sie einen Spender mit einem herzlichen Lächeln und dem Satz: „Schöne Spende! Wenn was ist, sag Bescheid.“


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