Bildunterschrift: Das ehemalige Schalthaus liegt auf dem Gelände des Hochofenwerks in Dortmund Hörde. Ein Schalthaus war ein geschützter Raum für Industrieanlagen. Foto: Lina Arends
Der Strukturwandel hat NRW verändert – sichtbar bis heute. Während einige Industrieorte zu Museen werden, wirken andere wie vergessene Relikte. Der Blick auf diese Orte zeigt, wie schmal der Grat zwischen Erhalt, Stillstand und Verfall ist.
Von Aidan Iturriaga Abarzua und Lina Arends
Verlassene Orte üben eine besondere Faszination aus: als stille Zeugen vergangener Zeiten, voller Geschichten, die im Alltag oft verloren gehen. Unter dem Begriff „Lost Places“ fallen Gebäude oder Industrieanlagen, die nicht mehr genutzt werden, teilweise verfallen und für Außenstehende kaum zugänglich sind. Aber nicht alle dieser Orte verfallen der Zeit. Einige werden umfunktioniert, in Museen, Kulturstätten oder Freizeitareale.
Im Herz des Hochofens
Auf dem Gelände wurde von circa 1854 bis Ende 1998 Roheisen als Grundlage für die Stahlproduktion hergestellt. In den Hochöfen verarbeiteten die Arbeiter Eisenerz, Koks und Kalk bei großer Hitze zu flüssigem Eisen. Das weitläufige Areal war dabei nicht nur Produktionsstätte, sondern auch Arbeitsplatz für bis zu 5.000 Arbeiter zu Hochzeiten. und ein zentraler Bestandteil der Dortmunder Industrie.
Nach dem die Produktion 1998 eingestellt wurde, ging das Gelände in städtische Nutzung über und wurde zu einer modernen Mischung aus Industrie-Denkmal, Wirtschaftsstandort und Freizeitareal umgestaltet. Auf dem gesamten Grundstück findet sich heute unter anderem ein Skywalk, ein Museum mit einer digitalen Kunstausstellung sowie eine Veranstaltungsstätte für eine Comedyveranstaltung.
Das Gelände wurde 2018 an einen privaten Investor verkauft. Das niederländisch-kanadische Unternehmen „World of Walas“ wollte mit einer Gesamtinvestition von rund 75 Millionen Euro das gesamte Gelände umstrukturieren. Es sollte unteranderem ein Quartier für Technologie Start-ups entstehen. Dieser Plan wurde aufgrund von Corona und den Tod des Inhabers des Unternehmens aber nicht weiterverfolgt, sodass die Stadt Dortmund das Grundstück 2023 wieder zurückkaufte.
Vom Spielfeld zum Stillstand
Der ehemalige Sportplatz in Massen-Nord war einst ein Ort für Vereins- und Freizeitsport. Vor 15 Jahren wurde dort das letzte Fußballspiel des FSG-Massen angepfiffen. Heute ist das Gelände verwildert, Infrastruktur wie Zäune oder das noch stehende Toilettenhaus sind beschmutzt, die Natur hat den Platz weitgehend zurückerobert. Das Grundstück liegt im Besitz des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW, aktuell gibt es zwar keine genauen Umsetzungen, was mit dem Grundstück passieren soll, es wird allerdings instandgehalten, indem Müll beseitigt wird. Vor Ort findet sich allerdings einiges an illegal entsorgtem Müll.
Ein Stück Weltkriegsgeschichte mitten in Gelsenkirchen
Mitten in Gelsenkirchen liegt im Stadtteil Ückendorf die Bochumer Straße. Sie ist geprägt durch lokale Einzelhändler, Restaurants, leerstehende Gebäude und einen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Wenn man die Straße entlang geht, erinnert es eher an eine Geisterstadt und das, obwohl die stets befahrene Straßenbahnline 302 mittendrin liegt.
In Gelsenkirchen gibt es rund 50 Bunker und Schutzräume aus dem Zweiten Weltkrieg, welche größtenteils zum Schutz vor Luftangriffen der Alliierten dienten. Heute stehen die meisten leer, sind Attraktionen für historisch Interessierte oder wurden bereits abgerissen.
Einer dieser leerstehenden Luftschutzbunker liegt auf der Bochumer Straße in Gelsenkirchen Ückendorf. Gleich an der Haltestelle “Stephanstraße” durch der die Straßenbahn 302 täglich fährt. Mittlerweile ist er Privateigentum und unzugänglich.
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