Wieder am Feld das einst auf seinen Auftritt gewartet hat. Foto: Aaliyah Wiesner
Er ist mit Ohrstöpseln bewaffnet, statt mit einem Basketball. Das Trikot hat er gegen ein Hemd getauscht. Stefan Gleim der mittlerweile 60 Jahre alt ist, spielte vor über 25 Jahren selbst zwei Jahre in der 2. Bundesliga zusammen mit den EN Baskets Schwelm. Heute schaut er sich immer noch gerne mit einem analytischen Blick die Spiele an. Selbst Jahre nach seinem Karriere Ende erfreut er sich an jedem Sieg seiner Mannschaft.
Von Aaliyah Wiesner
Als Stefan Gleim die Treppen zum Stadion hochläuft, wird er vom Veranstaltungsleiter mit “Hey Charly” angesprochen. Auch die Mitarbeiter hinter dem Fanshop kennen ihn noch unter seinem Spitznamen und begrüßen ihn, ohne zu zögern mit einem festen Handschlag. Warum er Charly heißt, das bleibt ein Geheimnis. Inmitten von in Gelb-blau gekleideten Fans findet Stefan Gleim seinen Sitzplatz und schaut nach unten auf das Basketballfeld der EN Baskets die heute ein Heimspiel in Schwelm gegen die Hertener Löwen haben. Den Blick vom Spielfeld hoch in die Ränge hat er vor vielen Jahren selbst miterlebt. Ein letztes Mal werden die Ohrstöpsel justiert und die Haare hinter die Ohren gerückt. Unter seinen Schuhen klebt der Boden bereits vor dem Spiel durch ausgeschüttetes Bier. Er nimmt einen großen Schluck aus dem gerade gekauften Getränk. “Die Becher sammeln später die Kids ein. Die freuen sich immer über den Pfand. Das war schon vor Jahren so.”
Ein lautes Trommelschlagen hallt wie ein Herzschlag durch die Ränge. Ein Junge, trägt das Trikot der EN Baskets, dass ihm bis zu den Füßen geht und hält einen Drumstick in der Hand. Sein Trikot ist von oben bis unten mit Unterschriften der EN Baskets bestückt. “So eins hatte ich selbst mal an”, sagt Stefan Gleim und deutet auf das gelbe Shirt. Das Spiel beginnt. Fällt der Ball zu den Gegnern, rufen die Schwelmer Fans “Defence”. Stefan Gleim fährt sich durch seine Haare und schaut immer wieder nach links auf die Anzeigetafel, um den Punktestand zu sehen. Als die EN Baskets ihre ersten Punkte machen, steht er mit den anderen Fans zusammen auf und klatscht. Mit einem prüfenden Blick nach hinten bemerkt er, dass er den Kindern hinter sich die Sicht blockiert und setzt sich schnell wieder hin.
Mitfiebern mittendrin
Stefan Gleim beobachtet das Spiel und bewertet ab und zu. Wo die anderen Fans nur mitjubeln, sieht er das System hinter dem Spiel.“ Das hat der Trainer ganz schlau gemacht. Natürlich wird der Gegner vorher analysiert, und er hat den nächsten Spielzug erkannt und nochmal gewechselt. Hat am Ende nur nicht funktioniert.” Immer wieder schaut er rüber zu den Spielerbänken und beobachtet, wie der Trainer an der Seite des Feldes agiert.
Im Time-out nach 20 Minuten Spielzeit stehen viele Zuschauer auf, gehen die Gänge hoch und kaufen sich neue Getränke und Essen. Stefan Gleim steigt stattdessen über die letzten vier Ränge, die ihn davon abgehalten haben, auf dem gleichen Boden wie die Spieler zu stehen. Er hält kurz inne zieht sein Handy aus der Hosentasche und fotografiert das Spielfeld.
Der entscheidende Moment
Die Plätze füllen sich nach der Pause wieder, die Schwelmer Fans rufen “Pfui, Pfui” oder “Kann er nicht, macht er nicht” zu den Hertener Spielern. Stefan Gleim stimmt mit ein. Doch die Hertener Löwen treffen zielsicher und holen langsam auf. Stefan Gleim lehnt sich nach vorne und stützt sich mit den Armen auf seinen Knien ab “Das können sie locker noch aufholen. Das Spiel ist noch lange nicht entschieden” sagt er mit einem letzten Blick auf die Punkte und schüttelt den Kopf. Stefan Gleim bewegt, in den letzten 30 Sekunden des Spiels, seine Arme schnell zur Seite wie als wolle er den Schwelmer Spielern bei der Abwehr helfen. Der schrillende Ton, der das Ende des Spiels ankündigt, ertönt aus den Lautsprechern. Das Brett hinter den Basketballkörben erleuchtet in Neon rot. Stefan Gleim lehnt sich zurück. Seine Mundwinkel gehen nach oben. Als die Schwelmer Fans lautstark losklatschen, steht er auf und schaut rüber zu der Team Bank und nickt. Er klatscht nicht laut, sondern langsam und bedacht. Charly ist wieder da. Nur anders als vor über 25 Jahren.
Draußen ist es mittlerweile dunkel, und es regnet. Statt einem schweiß nassen Trikot nach einem anstrengenden Spiel ist es nun das Hemd was nass wird. Stefan Gleim steckt die Hände in seine vorderen Hosentaschen und blickt ein letztes Mal zurück zur Arena. Um 22:30, knapp zwei Stunden nach Spielbeginn setzt er sich in sein Auto. Der Sieg in der eigenen Halle ist nach Jahren immer noch ein zufriedenstellendes Gefühl.


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