Bildunterschrift: Die Pressefreiheit in Deutschland hat sich verschlechtert. Foto: Pixabay
Die World Press Photo-Ausstellung ist dieses Jahr zum 14. Mal im Depot Dortmund zu Gast. Hier sprach auch der Fotograf Rafael Heygster aus Hannover über das Thema Pressefreiheit. Sein Resümee: Sie ist in Gefahr.
Von Teresa Booms
Es ist wieder so weit: Das Depot in Dortmund präsentiert die besten Werke des weltgrößten Wettbewerbs der Pressefotografie. Ziel ist es, professionelle Pressefotografen in aller Welt zu unterstützen.
„Democracy dies in Darkness“
Mehr als 3700 Fotografen aus mehr als 140 Ländern hatten fast 60.000 Fotos eingereicht. Die Fotos der Gewinner können Besucher bis zum 30. November ansehen. Eines der Hauptthemen: Die Pressefreiheit. Der Gewinner: Rafael Heygster, Fotojournalist aus Hannover. Mit seiner Fotoreihe „Democracy dies in Darkness“ machte er den ersten Platz in der Kategorie „Stories in Europa“.

Rafael Heygster über die Pressefreiheit
Der Fotograf hatte 2024 verschiedene Wahlkampfveranstaltungen der AfD besucht, um zu untersuchen, wie die Partei sich selbst darstelle, erzählt Heygster bei seinem Vortrag.
Bereits häufiger wurde er nicht zu Veranstaltungen der Partei zugelassen. „Die AfD sieht Journalisten als Feinde an“, sagt der Fotograf. Wenn er nicht zugelassen wird, wehrt Rafael Heygster sich dagegen rechtlich.

Über die Medienkomplexität und die Pressefreiheit in Deutschland sagt der Journalist, dass sich viele Menschen nur noch über Social Media und nicht mehr über große Kanäle informieren würden. Dies sei jedoch ein normaler und unaufhaltbarer Wandel.
Deutschland fliegt aus den Top 10

Ein Teil der Ausstellung im Depot Dortmund beinhaltet die Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen. Die Weltkarte zeigt, dass in 90 von 180 beobachteten Ländern die Situation für Journalisten „schwierig“ oder „sehr ernst“ ist. In Skandinavien wird die Situation mit einer „guten Lage“ beschrieben, in Deutschland ist sie „zufriedenstellend“.
Immer mehr Angriffe auf Journalisten
Die Anzahl der Angriffe auf Medienschaffende habe sich erhöht, so Reporter ohne Grenzen. Deutschland belegt in diesem Jahr Platz elf und ist damit zwar immer noch im oberen Bereich, allerdings nicht mehr in den Top 10, wie in den Jahren zuvor.
Vor allem ein zunehmend feindliches Arbeitsumfeld für Medienschaffende und die wirtschaftlich schlechte Situation vieler Medienhäuser trage zum Rang bei, sagt Reporter ohne Grenzen. Der Rückgang klassischer Einnahmequellen, insbesondere im Printbereich, treffe vor allem Lokal-und Regionalzeitungen. Zudem würden große US-Plattformen, wie Google oder Instagram den digitalen Werbemarkt dominieren.
Dass die Anzahl an Angriffen auf Journalisten auch in Deutschland zugenommen hat, kann Heygster bestätigen. Er wurde bei Veranstaltungen bereits öfter geschubst oder bedroht. Allerdings sehe er sich immer noch als privilegiert an und sagt: „Viele Leute in anderen Ländern riskieren ihr Leben, da habe ich großen Respekt vor.“


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