Bildunterschrift: Ein Mikrochip kann helfen, Hunde und Katzen eindeutig ihren Besitzern zuzuordnen. Foto: Unsplash

Mikrochip für alle Hunde und Katzen? Die EU plant, neue einheitliche Regeln gegen illegalen Welpenhandel und für besseren Tierschutz. Was das für Tierhalter bedeutet – wir von Tagger geben euch Antworten auf eure Fragen.

Von Cynthia Benninghofen

Was sieht die geplante EU-Regelung zur Mikrochip-Pflicht vor?
Nach den Plänen des Europäischen Parlaments sollen künftig alle in der EU gehaltenen Hunde und Katzen mit einem Mikrochip gekennzeichnet und in einer Datenbank registriert werden. Die nationalen Register sollen EU-weit miteinander vernetzt sein, um Tiere eindeutig identifizieren und ihre Herkunft nachvollziehen zu können. Die EU will mit der Regelung nicht das Verhalten verantwortungsvoller Tierhalter kontrollieren, sondern Missstände bekämpfen. Der Mikrochip soll dazu beitragen, entlaufene Tiere schneller zuzuordnen, Tierleid durch illegalen Handel zu verringern und Tierheime zu entlasten.

Was gilt bereits in Nordrhein-Westfalen?
In Nordrhein-Westfalen gelten schon jetzt Regelungen zur Kennzeichnung. Große Hunde dürfen nur gehalten werden, wenn sie mit einem Mikrochip gekennzeichnet sind und Halter dies der zuständigen Behörde nachweisen. Auch Städte machen Vorgaben: In Düsseldorf müssen Freigänger-Katzen eindeutig und dauerhaft gekennzeichnet sein – entweder durch Mikrochip oder Tätowierung – und im Melderegister des Amtes für Verbraucherschutz stehen. Wer dagegen verstößt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 1.000 Euro. Grundsätzlich gilt: Ein Mikrochip hilft nur, wenn Halter ihr Tier auch in einem Haustierregister anmelden und ihre Kontaktdaten aktuell halten.

Warum ist eine einheitliche Kennzeichnung und Registrierung sinnvoll?
Eine verpflichtende Kennzeichnung und Registrierung ermöglicht es, Tiere eindeutig ihren Besitzern zuzuordnen. Entlaufene oder gefundene Tiere können dadurch schneller zurückvermittelt werden, was Tierheime und Kommunen entlastet. Der Deutsche Tierschutzbund verweist zudem darauf, dass die Rückverfolgbarkeit auch im Krankheitsfall von Bedeutung sein kann. Pressereferentin Kerstin van Kan erklärt, dass sich Krankheitsausbrüche so besser nachvollziehen ließen, was zum Schutz von Tieren und Menschen beitragen könne.

Wo können Sie Ihr Haustier chippen lassen und wer registriert das Tier?
Sie lassen Ihren Hund oder Ihre Katze bei einem Tierarzt chippen. Der Chip sitzt dauerhaft unter der Haut. Danach müssen Sie Ihr Tier selbst in einem Haustierregister anmelden, zum Beispiel bei TASSO oder FINDEFIX. Nur so kann der Chip helfen, wenn Ihr Tier entläuft.

Warum hilft die Chip-Pflicht gegen illegalen Welpenhandel und warum profitieren Tierheime davon?
Der Mikrochip nimmt illegalen Händlern die Anonymität. Jedes Tier bekommt eine feste Nummer, die Behörden und Tierärzte auslesen können. So lässt sich prüfen, woher ein Tier kommt und wem es gehört. Illegale Züchter können Tiere schwerer verkaufen.
Tierheime profitieren ebenfalls: Sie erkennen Fundtiere schneller und können sie zügig nach Hause bringen. Tiere bleiben kürzer im Tierheim und Plätze werden frei für echte Notfälle.

Was sollten Tierhalter beachten und wann könnte die Chip-Pflicht gelten?
Ein Mikrochip ist nur dann hilfreich, wenn das Tier auch in einem Haustierregister eingetragen ist. Ohne Registrierung bleibt die Chipnummer anonym. Tierhalter sollten außerdem darauf achten, dass ihre Kontaktdaten aktuell sind. Nach Angaben der EU sind für privat gehaltene Hunde und Katzen lange Übergangsfristen vorgesehen: bis zu zehn Jahre für Hunde und bis zu 15 Jahre für Katzen.

Quellen:

·       Europäisches Parlament: Erste EU-Regeln für Wohlergehen und Rückverfolgbarkeit von Hunden und Katzen

·       Deutscher Tierschutzbund e. V., Presseauskunft Kerstin van Kan

·       Land Nordrhein-Westfalen: Hundegesetz NRW (§ 11 Kennzeichnungspflicht)

·       Stadt Düsseldorf: Verordnung zum Schutz freilebender Katzen