Bildunterschrift: Deutschlandflagge am Ärmel: Standardausstattung für alle, die im Wehrpflicht-Gewinnspiel gezogen werden. Foto: Unsplash
Eine Glosse von Cynthia Benninghofen
Die Wehrpflicht kommt zurück. Verkauft wird sie als Gewinnspiel. Teilnahme freiwillig, Auslosung verbindlich. Am Ende profitieren wir alle.
Die Bundesregierung hat ein Kommunikationsproblem. Wie überzeugt man eine Generation, die schon vom Öffnen der Post überfordert ist, davon, freiwillig in eine Kaserne zu marschieren? Die Antwort lautet Marketing. Wenn Produkte, Parteien und Persönlichkeiten seit Jahren über Influencer verkauft werden, warum nicht auch der Wehrdienst? So wirkt die neue Kampagne beinahe logisch: „Die Bundeswehr präsentiert das große Truppen-Gewinnspiel. Gewinne eine unvergessliche Grundausbildung, jetzt mit kostenlosem Aufenthalt in deiner regionalen Kaserne.“
Hauptgewinn Ruhe im Land
Parallel startet ein Serviceangebot für ältere Bürger. Wer die DSDS-Hotline anruft, nimmt automatisch an der Ersatzreserve-Auslosung teil. Das soll ein generationenübergreifendes Gefühl der Teilhabe erzeugen. Der gesellschaftliche Nutzen ist bereits messbar. Während die Jahrgänge ab 2008 in Kasernen einziehen, sinkt der Geräuschpegel bundesweit auf Werte, die zuletzt vor 2011 registriert wurden. Parks bleiben frei von Musikboxen, Busse entwickeln sich zu meditativen Räumen, Gehwege verlieren sämtliche E-Scooter. Die Wehrpflicht polarisiert. Das Gewinnspiel hingegen schafft Ordnung. Und wer schließlich im Leopard sitzt, erkennt den eigentlichen Sinn der Reform: Es entsteht eine neue Lebensqualität. Die Jüngeren bekommen Struktur. Die Älteren bekommen Ruhe. Der Staat bekommt Personal.


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