Bildunterschrift: Lieferengpässe bei einzelnen Medikamenten führen dazu, dass Apotheken zunehmend auf Alternativen ausweichen müssen. Foto: Pixabay
Antibiotika, Schmerzmittel oder Fiebersäfte sind auch in Nordrhein-Westfalen (NRW) zeitweise schwer zu bekommen. Wir von tagger.de beantworten eure Fragen dazu und erklären, wie Medikamentenengpässe entstehen und was ihr konkret tun könnt.
Von Amy Lee Driemel
Woher kommt der Medikamentenmangel?
Medikamentenengpässe entstehen dann, wenn Hersteller Arzneimittel zeitweise nicht oder nur eingeschränkt liefern können. Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) liegen die Gründe häufig in Produktionsproblemen oder begrenzten Herstellungskapazitäten. Damit sind Situationen gemeint, in denen Hersteller nicht genügend Mengen produzieren können, um den Bedarf zu decken. In der Praxis können schon kleine Verzögerungen, etwa bei Verpackungsmaterialien oder durch ausgelastete Anlagen, dazu führen, dass Medikamente nicht rechtzeitig verfügbar sind.
Warum werden viele Medikamente nicht mehr in Deutschland hergestellt?
Viele Wirkstoffe werden heute nicht mehr in Deutschland produziert, weil die Herstellung in anderen Ländern deutlich günstiger ist. In Deutschland verteuern hohe Energie- und Rohstoffkosten die Produktion, während die Preise vieler Medikamente festgelegt sind. Deshalb verlagern Unternehmen die Herstellung häufig ins Ausland, etwa nach China oder Indien, was die Arzneimittelversorgung anfälliger macht.
Was kann ich tun, wenn mein Medikament nicht verfügbar ist?
Ein Lieferengpass heißt nicht automatisch, dass Patientinnen und Patienten nicht weiter behandelt werden können. Erst wenn es keine geeigneten Alternativen mehr gibt, spricht man von einem Versorgungsengpass. In vielen Fällen kann die Apotheke ein wirkstoffgleiches oder therapeutisch vergleichbares Ersatzmedikament abgeben, sodass die Therapie fortgesetzt wird. Ist das nicht möglich, stimmt sich die Apotheke mit der Arztpraxis ab. Die Ärztin oder Arzt stellt dann ein neues Rezept für ein anderes geeignetes Medikament aus, um eine Unterbrechung der Behandlung zu vermeiden.
Was passiert, wenn wichtige Medikamente wie Krebsmedikamente fehlen?
Auch bei schweren Erkrankungen wie Krebs kann es zu Arzneimittelengpässen kommen, vor allem bei älteren Standardmedikamenten. Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) warnen, dass fehlende Arzneimittel die Behandlung erschweren können. Die Versorgungslage wird in solchen Fällen bundesweit erfasst und bewertet, um Risiken frühzeitig zu erkennen.
Welche Medikamente sind in NRW besonders häufig betroffen?
In Nordrhein-Westfalen fehlen vor allem Kinder-Antibiotika sowie Fieber- und Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol immer wieder. Zeitweise sind auch einzelne Asthma- und ADHS-Medikamente schwer zu bekommen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) empfiehlt, Medikamente nicht auf Vorrat zu kaufen. Welche Arzneimittel aktuell knapp sind, zeigt ein öffentliches Lieferengpass-Register der Behörde.
Quellen
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
- Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA)
- Apothekerverband Nordrhein
- Ihre Vorsorge (Informationsportal der Apothekerverbände)
- Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO)


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