Bildunterschrift: Die Europäische Union entscheidet über eine neue Asylreform. Foto: Unsplash

Im Juli 2026 soll eine europaweite Asylreform in Kraft treten, die schnellere Abschiebungen, Rückführungszentren und eine faire Verteilung von Asylbewerbenden mit sich bringt.  Was das für die Betroffenen bedeutet und wo sich Deutschland einordnet, beantworten wir hier.

Von Aidan Iturriaga Abarzua

Was ist neu?
Nach Angabe des Europäischen Rates plant die EU, die Mitgliedstaaten bei der Migration ab Juli 2026 zu entlasten. Konkret bedeutet das, dass ein gemeinsamer Solidaritätspool aufgebaut werden soll, der Ländern die stärker von Migration betroffen sind eine finanzielle Kompensation zusichert. Das soll durch Solidaritätsbeiträge zwischen den Mitgliedstaaten erfolgen.

Die Mitglieder des Europäischen Rates sind die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedstaaten, der Präsident des Europäischen Rates und der Präsident der Europäischen Kommission.

Außerdem sollen Asylbewerberinnen und Asylbewerber in Zukunft effizienter in Rückführungszentren in sicheren Drittstaaten geleitet werden. Sie werden durch Schnellverfahren auch direkt an der Grenze schon abgeschoben.

Zudem sollen Asylanträge künftig schneller bearbeitet und abgewiesen werden, dafür wird eine EU-weite Liste sicherer Herkunftsländer zur Verfügung gestellt.

Was möchte die EU mit dem Vorhaben erreichen?
Die EU plant laut eigenen Angaben, den Aufwand durch Migration gerechter auf die Mitgliedstaaten zu verteilen. EU-Länder wie Griechenland oder Zypern haben durch ihre geographische Lage einen höheren Migrationsdruck. Sie würden durch die Reform profitieren, da sie entweder finanziell unterstützt werden oder ein anderer EU-Mitgliedstaat ihre Flüchtlinge aufnehmen würde.

Was bedeutet das für Asylbewerbende?
Bei einem abgelehnten Asylantrag könnten Asylbewerbende in Zukunft in Rückführungszentren in Drittstaaten untergebracht werden. Von diesen Zentren aus sollen Bewerberinnen und Bewerber dann weiter in ihre Heimatländer abgeschoben werden. Außerdem können Zugewanderte mit bestätigtem Asylstatus zukünftig innerhalb der EU zwischen Mitgliedstaaten überstellt werden.

Wie positioniert sich Deutschland?
Welche Beiträge Deutschland leisten muss, ist noch unklar. Deutschland kann jedoch nach Angaben der EU-Kommission einen Antrag stellen, ab 2026 keine neuen Asylbewerberinnen und Asylbewerber mehr aufzunehmen. 

Steht die Reform final fest?
Die geplanten Maßnahmen sollen dieses Jahr umgesetzt werden. Unklar ist allerdings wie das Konzept des Solidaritätspools in der Praxis funktionieren wird. Wer die Kosten für die Rückführungszentren übernimmt, steht auch noch nicht fest.

Was sagen Kritiker?
Zum einen kritisiert Amnesty International die neue Reform. Sie ist der Ansicht, die Reform würde gegen menschenrechtliche Grundsätze verstoßen. Es kann auch dazu führen, dass es zu völkerrechtswidrigen Abschiebungen kommt. Zum anderen waren sich die EU-Länder selbst lange über die Reform unstimmig.

Quellen:

Europäische Kommission

Amnesty International