Bildunterschrift: Leonie wollte seit der siebten Klasse in der Pflege arbeiten. Heute lebt sie ihren Traum in Essen. Foto: Jannik Paula
Leonie Ahrendt ist Altenpflegefachkraft in der Kaiser-Otto-Residenz in Essen Steele. Damit lebt die 27-jährige ihren Traum. Doch der Beruf bringt auch seine Schattenseiten mit.
Eine Reportage von Jannik Paula
Es ist kurz nach zehn. Leonie Ahrendt betritt das Zimmer einer Bewohnerin. Sie hat Demenz. Die Einrichtung ist gemütlich. Auf dem Tisch unter dem aufgehängten Fernseher stehen rosafarbene Rosen. Die 27-jährige Pflegefachkraft setzt die stehende Bewohnerin auf das Bett, gibt ihr Schmerztropfen und hilft ihr beim Anziehen. „Die will ich nicht“, sagt die Bewohnerin zu einem Paar Schuhe. „Sie achtet sehr auf ihr Aussehen“, erklärt Leonie, die seit Oktober 2024 als Altenpflegefachkraft in der Kaiser-Otto-Residenz in Essen-Steele tätig ist, schmunzelnd. Kurze Zeit später verlässt die Bewohnerin das Zimmer in Richtung Speisesaal.
Die Pflegestation der Residenz befindet sich im hinteren Teil des Gebäudes und umfasst insgesamt 31 Zimmer für Bewohnerinnen und Bewohner. Beim Hineintreten fällt der grüne, dünne Teppichboden sofort ins Auge. Es liegt eine neutrale Duftmarke in der Luft. Viele Möbel sind aus Leder und Holz. Immer wieder ist ein Piepen zu hören. „Das dient dazu, damit wir wissen, wo sich unsere Bewohner mit Demenz aufhalten“, erklärt Leonie.
„Das Besondere an diesem Beruf sind einfach die Menschen“
Für die 27-Jährige war der Job in der Altenpflege alternativlos. Seit der siebten Klasse wollte sie in der Pflege arbeiten. „Prinzipiell war es mir egal, ob im Krankenhaus oder in der Altenpflege. Ich habe Praktika gemacht und schließlich meine Ausbildung in Bremen begonnen“, erklärt sie. Seit 2021 lebt Leonie in Essen, wo sie bis Ende 2024 im Elisabeth-Krankenhaus tätig war.„Das Besondere an diesem Beruf sind einfach die Menschen“, erzählt Leonie voller Begeisterung weiter. „Für mich war es immer ein Traum, in die Pflege zu gehen. Ich habe auch mal darüber nachgedacht, ob ich beruflich etwas anderes machen will. Dann bin ich aber schnell zu dem Entschluss gekommen: Nein, will ich nicht. Ich pflege jeden, als wäre es meine eigene Mutter oder Oma. Es ist einfach schön zu sehen, wie die Menschen reagieren, wenn man ihnen etwas Gutes tut.“
Einen klassischen Ablauf gibt es in der Altenpflege nicht
Ihr Arbeitstag begann an diesem Mittwoch bereits um sechs Uhr morgens. Die Vorbereitung der Medikamente und das Helfen bei den Toilettengängen sind Routineaufgaben in der Frühschicht. Darüber hinaus ist jeder Tag anders, erklärt die zweifache Mutter. Immer wieder gibt es neue Herausforderungen. Einen klassischen Ablauf gibt es nicht.

Die Kaiser-Otto-Residenz von außen. Hier geht es Richtung Eingangsbereich. Foto: Jannik Paula
Um 10:30 Uhr geht es für die Bewohnerinnen und Bewohner zur Betreuung. Diese findet zweimal täglich statt. Zu Leonies Aufgabenbereich gehört das nicht, doch eine Bewohnerin fehlt. „Leonie, kannst du sie kurz holen?“, fragt die Betreuerin. „Klar“, antwortet sie und holt die letzte Bewohnerin in den Speisesaal, wo sich der Rest bereits in einem Stuhlkreis versammelt hat.
Auch Büroarbeit gehört dazu
Daraufhin macht sich Leonie auf den Weg in Richtung Büroraum. Unterwegs kommt es immer wieder zu einem kurzen, herzlichen Austausch zwischen ihr und einzelnen Bewohnerinnen und Bewohnern. Im Büro angekommen, erklärt sie, dass auch Büroarbeit einen großen Teil des Berufs beansprucht. „Da geht es vor allem ums Protokollieren. Seien es blaue Flecken, Kratzer oder Ähnliches. Das müssen wir alles eintragen.“ Kurz darauf nutzen die Pflegekräfte die Betreuungszeit für eine kurze Pause.
Der Tod als große Schattenseite des Berufs
Neben all dem hat der Beruf in der Altenpflege jedoch auch seine Schattenseiten. Eine davon ist der Tod. „Wenn man eine Woche nicht da ist, kann es immer sein, dass plötzlich Bewohner verstorben sind. In der Anfangszeit war es sehr schwierig für mich, damit umzugehen. Mit der Zeit wird es – so hart es sich anhört – irgendwie normal.“
„Es ist ein schwieriger Job. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch“, erzählt Leonie weiter. „Man hat Menschen natürlich auch ins Herz geschlossen. Man muss dafür gemacht sein.“ Hinzu komme die physische Belastung, beispielsweise das Anfassen der Bewohnerinnen und Bewohner. Auch dafür müsse man gemacht sein. Was Leonie letzten Endes am Ball hält, sind die Menschen.
Aus der Pause raus, steht das Mittagessen an. Die 27-Jährige kontrolliert noch einmal die Zimmer der an Demenz erkrankten Bewohnerinnen und Bewohner, doch alle sind bereits da. Der Arbeitstag neigt sich dem Ende zu. „Wir bringen die Bewohnerinnen und Bewohner gleich noch in ihre Zimmer und helfen ihnen beim Toilettengang“, erklärt Leonie, bevor sie um14:15 Uhr Platz für die Spätschicht macht.


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