Bildunterschrift: Die Rockband Van Holzen steht für viele kleinere Bands, die mit steigenden Kosten in der Musikbranche umgehen müssen. Foto: Lisa Warich
Live-Musik kostet Geld – nicht nur das Publikum. Für viele Bands wird Musikmachen zur Herausforderung. Die Rockband Van Holzen aus Ulm gibt Einblicke in die Realität hinter der Bühne.
Ein Bericht von Aaliyah Wiesner und Lisa Warich
Nur drei Headline-Shows standen dieses Jahr auf der Tour von Van Holzen an. Die Rockband rund um Flo Kiesling, Daniel Kotitschke und Jonas Schramm spielte die erste Show am 12. Januar 2026 im Freizeitzentrum-West (FZW) in Dortmund. Die Band hat sich 2015 gegründet und steht vor steigenden Kosten, die die Tourplanung zunehmend beeinflussen.
„Wir machen vieles selber“
Bereits vier Stunden vor Einlass bereitet Van Holzen alles für den Auftritt vor. Boxen und Kabel werden verlegt, Instrumente gestimmt und das Bühnenbild aufgebaut. Alles, damit die Show am Abend reibungslos läuft. Die Band ist ein eingespieltes Team. „Wir schauen, dass wir möglichst viel selbst machen, um Kosten zu sparen. Deswegen macht Jonas beispielsweise das Tourmanagement“, sagt Flo Kiesling, Sänger der Band. Jede zusätzliche Hilfe wäre ein weiterer Posten auf der Rechnung, auf der bereits Tontechniker, Lichttechniker, Merch-Personen oder auch der Fotograf steht. Konkrete Summen nennt die Band nicht. Aber allein die Vorband erhält an dem Abend 200 Euro.
Die Mitte 20-Jährigen mussten ihre Tour zum Album „Solang die Erde sich dreht“ im vergangenen Jahr wegen Krankheit unterbrechen. Die abgesagten Daten wurden im Januar nachgeholt. „Aber wir machen die nächste Tour wahrscheinlich kürzer. Mehr Shows heißen auch mehr Crew-Kosten“, sagt Kiesling. Normalerweise besteht eine Tour aus 16 bis 23 Stops. Aber vor allem kleinere Städte würden sich immer weniger lohnen. Van Holzen zählt zur mittleren Independent-Szene: Die Band kann sich ohne Label derzeit über Touren, Festivals und physischen Verkauf finanzieren, ist dabei aber stark auf gut kalkulierte Auftritte angewiesen.
Wenn Ausgaben steigen, Einnahmen aber nicht
Die steigenden Kosten in der Musikbranche und vor allem im Live-Bereich sind kein Problem von gestern. „Zu den wesentlichen Kostentreibern in den vergangenen Jahren gehören die gestiegenen Infrastrukturkosten und höhere Produktionsanforderungen sowie wachsende Gagenforderungen“, sagt Yara Lynn Feist, Pressesprecherin von Eventim, einer der größten Ticketverkäufer Deutschlands. Auch Personalkosten, von Lichttechniker bis Sicherheitsdienst, seien gestiegen. Die Vorverkaufsgebühren sowie die Gebühren der Ticketing-Unternehmen seien dagegen seit rund 15 Jahren strukturell preisstabil.
Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft weist in der Studie „Musikwirtschaft in Deutschland 2024“ darauf hin, dass die Produktionskosten seit Ende der Corona-Pandemie um rund 45 % gestiegen sind. Hinzu kommt noch die Inflation, die alle trifft. Gleichzeitig stagnieren die Einnahmen. Musik auf Streamingplattformen zu veröffentlichen, bringe beispielsweise kaum Einnahmen. „Der physische Verkauf, also Merch, CDs oder LPs bringt das meiste Geld rein. Streaming, da kannst du einfach drauf scheißen“, so Kiesling zur aktuellen Situation.
Förderprogramme als Ausgleich steigender Kosten
Andreas Biallas, NRW-Landtagsabgeordneter der SPD und kulturpolitischer Sprecher, weist darauf hin, dass die Live-Musikbranche zunehmend unter Druck steht. Er geht davon aus, dass es sich für Bands zukünftig immer weniger lohnen wird, live aufzutreten. „Es ist nicht erkennbar, dass die Kostensteigerung aufhört oder rückläufig wird.“ Förderprogramme des Landes NRW würden sich vor allem auf Spielstätten und strukturelle Maßnahmen fokussieren, etwa über Globalbudgets oder Amateurmusikfonds. Ohne eine Erhöhung der Förderbudgets verschärfe sich die Situation laut Bialas weiter, was Bezahlbarkeit und Vielfalt kultureller Angebote gefährden würde. „Bei gleichbleibenden Mitteln können weniger Projekte unterstützt oder nur kleinere Beträge ausgezahlt werden.“ Für die Projektförderung Musik im Jahr 2025 hat das Land NRW rund 3,1 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Step by Step: Van Holzen blickt nach vorne
Wie sich die Situation um die Kosten weiterentwickelt und ob die Förderungen erhöht werden, bleibt abzuwarten. Van Holzen möchte weitermachen, trotz Ungewissheit, was in der Zukunft noch auf sie zukommt. „Wir machen es für die Leute und für das Erlebnis. Und das funktioniert bisher ganz gut“, sagt Kiesling. „Wir werden step by step, Album zu Album, ein bisschen größer und das motiviert und macht einfach Spaß. Es muss weiterhin geile Rockbands für Deutschland geben.“
Einen Einblick hinter die Kulissen erhaltet ihr in unserer Bildergalerie:


















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