Annika Wilk hat sich im Laufe ihres Studium oft allein gelassen gefühlt. 
(Foto: Julia Müller)

Von Julia Müller

Gelsenkirchen hat eine Hochschule? Viele reagieren darauf mit einem verwirrten Schulterzucken. Mit einer typischen Studentenstadt wird Gelsenkirchen also nicht verbunden. Annika Wilk (21), selbst Studentin an der Westfälischen Hochschule ist überzeugt: „Gelsenkirchen lässt sich mit Städten, wie Dortmund, Bochum und Co. nicht vergleichen.“

Wenn hier leben, dann in Buer

Umziehen, Familie und Freunde zurücklassen. So geht es vielen Studierenden, wenn sie von Zuhause wegziehen müssen. Alles ist aufregend. Die Erwartungen an die neue Stadt sind hoch. Annika Wilk ist damals von ihrer rund 150 Kilometer entfernten Heimat Düren nach Gelsenkirchen ins Ruhrgebiet gezogen. Ihr Motto lautet: „Zieht nicht nach Gelsenkirchen, zieht nach Buer!“ Hauptargumente sind für Annika die Nähe zur Hochschule und die Buerer Innenstadt. Empfehlen kann sie hier vor allem das Lokal ohne Namen, welches mit seinem Ambiente die typische Studentenkneipe widerspiegele. Als besonders schön empfindet sie die Halde Rungenberg. Hier sitzt Annika oft mit Freunden und einer Pizza an den zwei großen Scheinwerfern. Im Großen und Ganzen ist das Publikum in Gelsenkirchen älter und die Lokalitäten sind für Studierende eher unpassend. „Ich habe das Gefühl, um 22 Uhr werden hier die Bürgersteige hochgeklappt.“

Günstig vom Preis, aber gleichzeitig ungünstig von der Lage ist das Studentenwohnheim an der Wodanstraße im Stadtteil Erle. Deshalb existiert der Wunsch nach mehr Wohnraum in Buer oder direkt am Gelände der Hochschule. Denn als Problem sieht Sebastian Teigeler vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) an der Westfälischen Hochschule den Standort Erle und sagt deutlich: „Das Studentenleben wird durch die weite Entfernung nicht gefördert.“ Diskussionen zu dem Thema laufen bereits. In Buer selbst sind weitere Studierendenwohnungen errichtet worden. Außerdem ist die Idee eines Wohnheims auf dem Schotterplatz direkt vor der Hochschule entstanden. Hochschulpräsident Bernd Kriegesmann ist in Gesprächen mit den Verantwortlichen. „Das Studierendenwohnheim zur Belebung des Campus werden wir nicht aus den Augen verlieren.“

Sandra Schmidt vom AStA bemängelt, dass die Stadtteile bergab gehen. Alles wird teurer und für Studierende fehlt an einigen Stellen die passende Unterstützung. „Die Stadt ist nicht spezialisiert auf Studierende. Der ÖPNV ist schlecht. Viele kommen deshalb mit dem Auto. Den Nachhaltigkeitsaspekt fördert das nicht.“ Die Hochschule selbst kann daran wenig ändern. Trotzdem ist sie im regelmäßigem Kontakt mit der Stadt. Aktuell sind sie in der Vorbereitung einer Mobilitätsbefragung.

Hochschule fördert Gelsenkirchen als Standort

Laut Kriegesmann bietet die Westfälische Hochschule einen Lern- und Freizeitort für Studierende.  Angebote vom AStA decken dabei die Bereiche Sport, Kultur und Soziales ab. In verschiedenen Kooperationen wird außerhalb der Hochschule ein sportliches Angebot geschaffen. Am Standort selbst finden Sportbegeisterte einen Sportkeller, ein Volleyballfeld und einen Basketballkorb. „Wir versuchen das Studentenleben zum Standort der Hochschule hinzurücken“, erklärt Teigeler. Der AStA organisiert auch Veranstaltungen und Partys vor Ort. Zum Studienstart gibt es als Geschenk die sogenannten „Erstitaschen“. Darin befinden sich oft Gutscheine für lokale Aktivitäten und um Preisnachlässe für verschiedene Angebote in Gelsenkirchen wird sich ebenfalls bemüht. Der Bereich Soziales kümmert sich vorwiegend um die Lösung von Problemen. Darunter fällt unter anderem die Unterstützung zur Bezahlung des Semestertickets. Im gesamten Angebotsspektrum wird auf die Vorstellungen der Studierenden eingegangen. So lassen sich neue Angebote erarbeiten und Kooperationspartner anpassen.

Fragt man Annika Wilk was Gelsenkirchen noch verbessern sollte, stehen das Freizeitangebot und der ÖPNV ganz oben auf der Liste. In vielen Punkten fühlt sie sich als Studentin alleingelassen. Innerhalb der Hochschule wünscht sie sich in einigen Bereichen eine bessere Kommunikation. Veranstaltungen sollten ihrer Meinung nach vermehrt lokale Angebote, wie Bands oder Comedians, mit einbeziehen. Das würde das Angebot erweitern und ansprechender gestalten. Aus Studentensicht sagt Annika Wilk deutlich: „Gelsenkirchen ist keine Studentenstadt.“ Sebastian Teigeler betont, dass Gelsenkirchen von Grund auf der Gedanke fehle eine Studentenstadt sein zu können. Hochschulpräsident Bernd Kriegesmann ist dagegen zuversichtlich: „Ich bin optimistisch, dass Hochschule und Stadt noch enger zusammenwachsen werden.“