Bildunterschrift: Gerade Ausdauersport wirkt sich besonders positiv auf die Stressaktivität aus . Foto: Pixabay

„Für Sport hab ich momentan wirklich keine Zeit. Das stresst mich zu sehr“ – wer sich gerade wiedererkannt hat, sollte nun aufpassen. Wir von Tagger.de zeigen, dass genau das Gegenteil der Fall sein kann.

Von Nils Reifenrath

Warum unterschätzen wir die psychischen Effekte von Sport?Sport bedeutet für die meisten körperliche Fitness: Gewichtsverlust, Muskelaufbau oder bessere Ausdauer. „Wegen dieser deutlich messbaren Veränderungen treten weniger sichtbare Effekte schnell in den Hintergrund“ erklärt Robin Petersen. Er spielt Hockey in der ersten Liga, trainiert eine Jugendmannschaft und hat ein abgeschlossenes Sportstudium.
Stress, Erschöpfung und psychische Belastung nehmen zu – gerade deswegen ist es wichtig zu verstehen, wie Sport wirksam als Mittel der Entlastung funktionieren kann.

Welche positiven Effekte hat Sport nun tatsächlich?
Sport kann zu einem ausgeglicheneren Tagesablauf und einem erhöhten Wohlbefinden beitragen. Dafür allein können bereits die verbesserte Fitness, die Veränderung der Figur oder die gestärkte Gesundheit verantwortlich sein. Die Folge: Man fühlt sich insgesamt besser und hat ein gesteigertes Selbstwertgefühl.

Es tut gut, an seine Grenzen zu gehen und diese auszureizen. Druck ablassen oder Stress abbauen – Sport eignet sich ideal, um Ziele zu setzen, ganz unabhängig vom restlichen Alltag.

„Sport ermöglicht zudem die Einbindung in gemeinschaftliche Strukturen und fördert die soziale Zugehörigkeit“, fügt Petersen hinzu.

Was genau passiert dabei im Körper?
Anstrengung aushalten – Glückshormone steigern. Das hat viele Effekte: Das allgemeine Wohlbefinden kann sich erhöhen, der Körper wird wacher und aktiver, das Gehirn konzentrierter. Das Hormon Serotonin kann beispielsweise den Rhythmus der Schlaf- und Wachphasen verbessern. Durch regelmäßigen Sport, kann dieser erhöhte Hormonspiegel dauerhaft erreicht werden.

Nachdenken, Grübeln und Kopfzerbrechen – ein allbekanntes Problem. Verantwortlich dafür ist ein konkreter Teil im Gehirn: der präfrontale Cortex. Beim Sport wird das Blut vermehrt in den Muskeln gebraucht. Entlastung für das Gehirn. Mehr Schwitzen, weniger Grübeln.

„Körperliche Aktivität ist gut fürs Immunsystem. Das kann sich beispielsweise positiv auf die emotionale Stabilität auswirken“, erklärt Robin Petersen.

Was geschieht bei zu wenig Bewegung?
Wir Menschen produzieren Tag für Tag Stresshormone. Abgebaut werden diese unter anderem durch Bewegung. Viele Menschen sitzen unzählige Stunden vor dem Computer, im Auto oder auf dem Sofa. Dieser Mangel führt zu Stress. Stress wiederum führt zu einem generellen Unwohlsein, Schlafmangel, Stimmungsschwankungen oder Antriebslosigkeit.

Problematisch ist auch, dass die Hemmschwelle steigt, mit dem Sport zu beginnen. Selbstzweifel, Angst vor Enttäuschung oder Scham sind alltägliche Faktoren, die dazu führen können, gar nicht erst mit dem Training zu beginnen.

Wie erzielt man diese Effekte bestmöglich?
Es ist nicht nötig, gleich einen Marathon zu laufen. Wenig ist besser als gar nichts. Robin Petersen betont: „Wichtig ist die Regelmäßigkeit.“ Bereits Joggen, Radfahren oder zügiges Gehen können Stress reduzieren und das Wohlbefinden steigern.

Eine andere Möglichkeit sind Teamsportarten. Sie bieten ein Gruppenerleben und fördern soziale Kontaktmöglichkeiten. Möglicherweise eignet sich allerdings auch ein Meditations- oder Entspannungstraining. Es soll helfen die Konzentration zu steigern.

Was all diese Möglichkeiten gemeinsam haben: Spaß und Ausgleich sind wichtiger als Leistung. „Jeder Mensch ist individuell. Anstatt Trainingsmethoden unkritisch zu übernehmen, sollten persönliche Ziele oder körperliche Voraussetzungen berücksichtigt werden“, fügt Petersen hinzu. Sport soll guttun, nicht verunsichern.

Quellen:

Stressregulation akut — Institut für Sport und Sportwissenschaft (uni-freiburg.de)

https://www.sportable.eu/post/7-positive-effekte-von-sport
https://www.medi-fit-gmbh.de/fitnesstipps/sport-macht-gluecklich.html
https://www.grin.com/document/492467