Bildunterschrift: Immer mehr Personal im Gesundheitswesen leidet unter verbalen und körperlichen Angriffen. Foto: Feepik
In Krankenhäusern eskaliert zunehmend die Gewalt von Patienten gegenüber dem Personal. Das soll sich im Klinikum Dortmund jetzt ändern. Es wird auf neue Technik gesetzt – Bodycams.
Von Lina Arends
Das Klinikum Dortmund Mitte testet ab sofort Bodycams in seinen Notaufnahmen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Übergriffen besser zu schützen.
Das Pilotprojekt ist am 15. Januar gestartet und wird drei Monate getestet. Die Art und Weise ist bundesweit einmalig. Die Bodycams werden außerdem noch in dem Klinikum Nord sowie der Kinderklinik in Dortmund eingesetzt.
Schläge und Beleidigungen auf dem Krankenhausflur
„Grund sind die immer mehr steigenden Zahlen von Gewalttaten und Angriffe gegenüber dem Krankenhauspersonal, insbesondere in den Notaufnahmen“, sagt Matthias Lackmann, Pressesprecher des Klinikums Dortmund. Darunter fallen hauptsächlich verbale Aggressionen, aber auch Treten, Schlagen, Beißen und Spucken.
Die Gewalt geht meist von den Patienten selbst aus, weniger von den Angehörigen.
Auslöser hierfür sind lange Wartezeiten, Missverständnisse bei der Reihenfolge der Dringlichkeit, aber auch Drogen- und Alkoholkonsum.
Mehr Sicherheit und klare Regeln
Die Bodycams am Kittel zu tragen ist freiwillig, zumal sie nur eingeschaltet werden dürfen, wenn eine Situation zu eskalieren droht. Während der Behandlungen müssen sie ausgeschaltet sein. Eine Pflicht für die Mitarbeiter wird es nicht geben. Die Kameras sollen auch vermehrt im Eingangsbereich der Notaufnahme zum Einsatz kommen.
Rechtliche Fragen wurden vor dem Start des Projektes durch den eigenen Justitiariat und eine externe Kanzlei geklärt. Das Klinikum betont, dass der Einsatz der Bodycams datenschutzkonform ist. Die Daten werden nur bei Bedarf genutzt und anschließend automatisch gelöscht. Die Aufnahmen sollen als weitere Beweissicherung im Fall eines Übergriffes dienen.
Selbstverteidigungskurse zur Prävention
Bereits vor der Einführung der Bodycams gab es eine Kooperation zwischen der Polizei und dem Klinikum Dortmund. „Bereits seit 2014 kooperieren wir mit dem Klinikum und haben ein Deeskalationstraining konzipiert, das speziell auf die Bedürfnisse und Probleme des Krankenhauspersonal abgestimmt ist“, erklärt Tobias Boccarius, Pressesprecher der Polizei Dortmund. Das Training wird jährlich an bis zu drei Terminen angeboten und dauert drei Tage.
Nach Ablauf der Testphase soll gemeinsam mit dem Betriebsrat entschieden werden, ob und in welchem Umfang die Bodycams dauerhaft eingesetzt werden.


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